Wartelisten, Personalmangel, explodierender Pflegebedarf, Verwaltungsaufwand. Die Herausforderungen in der Psychiatrischen Versorgung (GGZ) sind vielfältig. Kann die Digitalisierung eine Lösung bieten? Vielleicht ist der Einsatz digitaler Tools kein Allheilmittel. Doch mit Lösungen sowohl für den Behandlungsraum als auch für das Backoffice trägt die Digitalisierung definitiv zu einer nachhaltigen, zukunftssicheren psychiatrischen Versorgung bei. Dies ist das weithin geteilte Ergebnis der jüngsten HCI-Inspirationssitzungen zur psychischen Gesundheitsfürsorge. Mehr als zweihundert Fachleute konkretisierten das Veranstaltungsmotto in Singer Laren: „Gemeinsam für eine bessere psychische Gesundheitsversorgung durch Digitalisierung!“.
„Die Digitalisierung ist vielleicht nicht die Lösung für alle Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung, aber sie ist ein wichtiger Teil dieser Lösung“, sagt HCI-Direktor Marc Prette. „Im Backoffice sind große Fortschritte zu erzielen, zum Beispiel durch die digitale Beratung der Klienten zur richtigen Pflegeform. Aber auch durch die Förderung von Netzwerken, die es Gesundheitsdienstleistern ermöglichen, effizient Daten untereinander auszutauschen. Aus dieser Perspektive beantworte ich die Frage, ob die Digitalisierung zur Lösung des Wartelistenproblems beitragen kann, mit einem klaren „Ja“. Doch die Digitalisierung geht noch viel weiter. Darüber hinaus kann die Behandlung selbst nicht nur effizienter, sondern auch besser werden.“
Sinnvolle Lösungen
Mit einem breiten Portfolio, das eine elektronische Patientenakte, E-Health-Module und eine digitale Patientenumgebung umfasst, bedient Health Cloud Initiative (HCI) mehr als 40.000 Gesundheitsdienstleister und -über die Uw Zorg Online-Umfeld Millionen von Patienten in der Grundversorgung. Zwar ist Software das Kerngeschäft, doch HCI möchte mehr sein als ein Anbieter digitaler Spielereien. Letztlich geht es bei HCI um sinnvolle, wirksame Lösungen, die tatsächlich zu einer besseren psychischen Gesundheitsversorgung beitragen. Aus diesem Grund sucht HCI explizit den Dialog mit den wichtigsten Stakeholdern. In Laren drehte sich der Dialog um Fragen wie: Verkürzt die Digitalisierung die Wartelisten im Gesundheitswesen? Erhalten Fachleute und Kunden ausreichend Einfluss auf die digitale Innovation? Und: Ist die Digitalisierung der schnellste Weg zu einer guten, zugänglichen und zukunftssicheren psychischen Gesundheitsversorgung?
Psychische Gesundheitsversorgung ohne Grenzen
Die Perspektive der Gesundheitsdienstleister wurde auf der Bühne des Singer Theaters von Regisseurin Jennifer van den Berg von SOL Psychotherapy zum Ausdruck gebracht. Für Van den Berg, einen Gesundheitsdienstleister, der vollständig digital arbeitet, liegen die Vorteile dieses Ansatzes auf der Hand. Sowohl der Therapeut als auch der Klient sind nicht länger an zeitliche und räumliche Grenzen gebunden. „Wir versorgen bundesweit. Wenn auf Texel ein türkisch sprechender Praktiker benötigt wird, ist das für uns kein Problem. Bei Bedarf passieren wir auch die Grenze. Wenn beispielsweise ein Soldat im Auslandseinsatz psychologische Betreuung benötigt, ist das für uns kein Problem.“
Um die Wirksamkeit der digitalen psychischen Gesundheitsversorgung zu unterstreichen, zitierte Van den Berg einige aussagekräftige Zahlen. „In vier Regionen, in denen die Wartelisten außer Kontrolle gerieten, gelang es uns, sie erheblich zu reduzieren. „Statt acht Monaten konnten wir die Leute innerhalb von zwei Wochen in Therapie bringen.“
Nicht weit entfernt
Ein häufiger Einwand gegenüber der digitalen psychiatrischen Versorgung besteht darin, dass sie unpersönlich und distanziert sei. Laut Van den Berg ist das Gegenteil der Fall. „Es gibt viel Kontakt mit dem Kunden, insbesondere in den Momenten, in denen der Kunde es wünscht. Durch Videoanrufe, Chats, Übungen, Fragebögen oder ein digitales Tagebuch können wir den Klienten nicht nur aktiver in die Behandlung einbeziehen, auch der Therapeut verfügt über viel mehr Informationen als in einem regulären Setting, in dem ein Therapeut den Klienten nur ab und zu sieht.“
Kunde als Ausgangspunkt
Auch Direktorin Dienke Bos von der Interessenvertretung MIND sieht positive Aspekte der digitalen psychiatrischen Versorgung. Sie formuliert jedoch einige wichtige Überlegungen aus der Sicht des Kunden. Ihrer Meinung nach sollte immer die Qualität der Behandlung im Mittelpunkt stehen. „Die Digitalisierung kann die psychiatrische Versorgung wirklich verbessern. Darüber hinaus kann es durchaus zu einer Kostensenkung und Arbeitserleichterung beitragen. Aber wir sollten beides nicht vertauschen. „Kostensenkung sollte nicht das primäre Ziel sein.“
Physikalische Alternative
Laut Bos verdienen auch die Zugänglichkeit und Inklusivität der digitalen Pflege ernsthafte Aufmerksamkeit. „Mehr als die Hälfte der Menschen mit schweren psychischen Problemen leben an oder unter der Armutsgrenze. Die Chancen, dort einen funktionierenden Laptop und stabiles Internet zu haben, sind nicht so groß. Darüber hinaus verfügt nicht jeder über digitale Kompetenzen. „Daher muss immer eine vollwertige physikalische Alternative zur Verfügung stehen.“
Sensible Informationen
Und dann ist da natürlich noch die Frage des Datenschutzes und der Datensicherheit. Besonders in einem Bereich wie der psychiatrischen Versorgung, in dem es um äußerst sensible, persönliche Informationen geht, verdienen diese Angelegenheiten besondere Aufmerksamkeit. Das beste Rezept zur Unfallverhütung ist laut Bos die Einbeziehung der Kunden. „Die Entwicklung digitaler Lösungen muss immer gemeinsam mit dem Endnutzer erfolgen. „Testen Sie nicht erst am Ende des Prozesses, sondern beziehen Sie den Kunden von der Entwicklung bis zur Umsetzung mit ein.“
Upscaling
Auch an anderer Stelle werden ihrer Meinung nach digitale Werkzeuge noch nicht ausreichend genutzt. „Digitale Ressourcen werden häufig für die Eins-zu-eins-Beziehung mit dem Klienten genutzt, aber wie stellen wir sicher, dass sich die Gesundheitsdienstleister in digitalen Netzwerken finden? Wir werden dringend in die digitale Netzversorgung investieren müssen.“
Von den Gesundheitsdienstleistern, mit denen Van de Pol im Arbeitsbereich CZ in Kontakt kommt, arbeitet etwa ein Drittel tatsächlich an digitalen Behandlungspfaden. Dies zeigt, dass die Digitalisierung ein unumkehrbarer Prozess ist. „Wir können und wollen auf die digitale Versorgung nicht mehr verzichten“, sagt Van de Pol. „Angesichts der wachsenden Versorgungslücke müssen wir die Versorgung wirklich anders organisieren, aber Auswirkungen auf die Zugänglichkeit und die Kosten sehen wir bisher nicht. Viele Innovationen scheitern bei der Skalierung.“
Smart Artificiële
Beim neuesten Spross der digitalen Transformation, der künstlichen Intelligenz, stellt die Skalierung jedenfalls kein Problem dar. Nach der Einführung von ChatGPT im Jahr 2023 stieg die Nutzerzahl innerhalb kürzester Zeit auf 200 Millionen pro Woche. Der Aufstieg der generativen KI, auch bekannt als Allzweck-KI oder große Sprachmodelle (LLMs), geht auch mit großen Budgets einher; Elon Musks LLM Grok ist angeblich 18 Milliarden Dollar wert.
Angesichts des schnellen Wachstums und der disruptiven Natur dieser Technologie ist eine Diskussion über die digitale Gesundheitsversorgung ohne Erwähnung von KI nicht vollständig, sagt Gideon Kreytz, Innovationsdirektor bei HCI. „Wir werden es immer häufiger nutzen, egal ob als Verbraucher, Kunde oder Gesundheitsdienstleister“, sagt Kreytz. „Jetzt geht es hauptsächlich um Spracherkennung. Wenn Sie als Praktiker etwas in verständlicher Sprache erklären möchten, kann ChatGPT das tun. Es gibt aber auch Modelle, die den Behandler darauf hinweisen, wenn er vergisst, etwas zu fragen. Die automatische Mustererkennung wird in der Radiologie bereits häufig eingesetzt. Schon bald ist die Anamnese online abgeschlossen und die Folgetermine sind vereinbart, ohne dass Sie als Behandler etwas tun müssen.“
Bleiben Sie kritisch
Kreytz sieht aber auch Gefahren. Verzerrungen in Quelldateien und Datenmodellen können sich negativ auf den Zugang und die Qualität der Gesundheitsversorgung auswirken. Für Datenfresser wie LLMs ist der Datenschutz ein ständiger Grund zur Sorge. Und dann stellt sich im Pflegekontext auch die Frage, wer für die Ergebnisse verantwortlich ist: der Erfinder des Modells, der Pflegedienstleister oder vielleicht der Klient? Kreytz‘ Rat: „Bleiben Sie neugierig, aber kritisch. „Wir von HCI helfen Ihnen dabei sicherlich.“
Sprachgesteuertes Melden
Der Vortrag von Maarten Timmers veranschaulichte deutlich, was KI in der Praxis leisten kann. Als Allgemeinmediziner musste er zu seinem Frust feststellen, dass er beim Patientenkontakt immer stärker auf den Bildschirm starrte. „Weil ich ständig Formulare ausfüllen musste, hatte ich kaum noch Aufmerksamkeit für den Patienten vor mir.“ Daher ergriff Timmers gemeinsam mit einem KI-Entwickler namens Juvoly die Initiative und entwickelte eine eigene Anwendung für sprachgesteuertes Reporting. „Die Software hört mit, transkribiert und macht eine Zusammenfassung der Datei“, sagt Timmers. „Der Computer steht nicht mehr auf dem Tisch, sondern hängt an der Wand. Beim Betreten durch einen Patienten oder Klienten wird die Akte automatisch geöffnet. Ein eventueller Behandlungsplan oder eine Überweisung liegt im Hintergrund bereits vor. Tastatur und Maus werden nicht mehr benötigt. Es erfolgt automatisch eine Weiterleitung an jemanden weiter in der Kette. Dadurch wird die Zusammenarbeit weiter verbessert.“
Herausforderung
Mit Juvoly hat Timmers nicht nur seiner eigenen Arbeit wieder Spaß gemacht, sondern auch der von Kollegen in fünfhundert anderen Hausarztpraxen. Gemeinsam mit HCI konzentriert sich Juvoly nun auch auf Krankenhäuser und die psychiatrische Versorgung. Da bereits mehr als tausend Gesundheitsdienstleister das HCI Mental Health EPD nutzen, ist HCI ein logischer Partner für die Skalierung. Eine der technischen Herausforderungen, an denen beide Parteien arbeiten, besteht darin, die Informationsübermittlung weiter zu optimieren, sodass das gesprochene Wort im Idealfall automatisch an der richtigen Stelle in der elektronischen Patientenakte landet.
Um den Umfang, die Funktionalität und die Flexibilität dieser EHR zu unterstreichen, ließ Chris-Jan van Schendel, Segmentleiter für psychische Gesundheitsversorgung bei HCI, in seiner Präsentation Benutzer aus verschiedenen Bereichen zu Wort kommen. Alle drei gaben an, dass sie bei HCI einen Anbieter kennengelernt hätten, der zuhörte und ein offenes Ohr für ihre kontextspezifischen Bedürfnisse und Anforderungen hatte.
Neben dieser EPD bietet HCI unter dem Markennamen Embloom bietet zudem ein breites Spektrum an E-Health-Anwendungen an. Embloom präsentiert sich als effiziente, benutzerfreundliche Online-Plattform, die Gesundheitsdienstleister und Gesundheitsempfänger mit Fragebögen, E-Health-Modulen und Videotelefonie unterstützt. „Embloom steht für die Bereicherung und Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen und körperlichen Beschwerden", sagt Sanne Vrijhoeven, Beraterin Embloom. Die zugrunde liegende Mission besteht darin, die Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung sicherzustellen.
Patientenreise
Für Direktor Hans ter Brake von Quli beginnt die „Qualität der Pflege“ immer beim Klienten oder – besser gesagt – beim Bürger. „Als Pflegekraft sind Sie eigentlich ein vorübergehender Passant im Leben Ihres Klienten“, sagte Ter Brake den psychiatrischen Fachkräften in Singer Laren. „Der Mensch ist die einzige Konstante in allen Pflegeprozessen. Sie sind von Zeit zu Zeit Teil seiner oder ihrer Lebensreise.“
Ter Brake wählt seine Worte mit Bedacht. Er setzt sich seit Jahren für eine digitale Umgebung ein, in der die Bürger ihre Pflege- und Gesundheitsversorgung selbst steuern können. Und das mit derselben Benutzerfreundlichkeit, die in der Reisewelt seit Jahren selbstverständlich ist. „Ich weiß nicht, wie Sie Ihren Urlaub buchen, aber ich mache das über eine Reise-App. Innerhalb dieses Umkreises kann ich Flüge und Hotels, aber auch Busse oder Ausflüge buchen.“
Laut Ter Brake ist ein derart nahtloses Erlebnis im Gesundheitswesen aufgrund aller Barrieren, Silos und Domänen oft nicht möglich. „Wenn Sie mit einem gebrochenen Bein aus dem Krankenhaus kommen, woher bekommen Sie Ihre Krücken?“
Menschenorientierte Plattform
Ter Brakes Ideal einer „menschenorientierten“ Online-Plattform, auf der alle Bereiche – von der informellen Unterstützung über den sozialen Bereich bis hin zur formellen Pflege – zusammenlaufen, ist vor Kurzem einen Schritt näher gekommen. Unter dem Dach von HCI, Quli und Uw Zorg Online zu einer Integration. Dadurch werden sowohl die Funktionalität als auch die Reichweite der Plattform enorm verbessert.
Die Suche nach Synergien zwischen Quli und Uw Zorg Online macht deutlich, wofür HCI steht: Wirkung durch Skalierung erzielen, ohne so groß zu werden, dass der Endbenutzer aus dem Blickfeld verschwindet. „Als HCI haben wir viel Kontakt zu unseren Kunden“, sagte Geschäftsführer Prette in seinem Abschlusswort. „Aber oft geht es in diesem Gespräch um bestimmte Plattformen oder Lösungen. Ich sehe diese Inspirationssitzung als einen ersten Schritt, um auf einer höheren Ebene weiter über die Digitalisierung zu sprechen.“